Endspiel in der Schach-Frauenbundesliga

Aktuell blickt die Schachwelt auf Deutschland: in Berlin wird gerade im Kandidatenturnier der nächste Herausforderer von Weltmeister Magnus Carlsen gesucht, und in 2 Wochen gibt sich der Weltmeister selbst die Ehre bei den Grenke Chess Classics in Karlsruhe und Baden-Baden, wo beim gleichzeitig stattfindendem Open über 1500 Teilnehmer erwartet werden. Im Schatten dieser Events findet am kommenden Wochenende das Finale der Frauenbundesliga statt, und spannender kann die Entscheidung nicht sein: in der letzten Runde kommt es zur alles entscheidenden Begegnung zwischen dem Überraschungsmeister der Vorsaison SK Schwäbisch Hall und dem Rekordmeister und Titelfavorit OSG Baden-Baden.

Dabei reicht den Haller Spielerinnen bereits ein 3-3 Unentschieden zur Titelverteidigung. Während Schwäbisch Hall alle bisherigen Begegnungen gewinnen konnte, gab Baden-Baden gegen Bad Königshofen ersatzgeschwächt einen Punkt ab. Die Vizemeisterschaft ist beiden Mannschaften schon sicher, zu weit sind die Verfolger in der Tabelle entfernt, jedoch wollen beide jetzt natürlich den Titel. Passend zum Finale der Frauenbundesliga legt am Sonntag das Kandidatenturnier in Berlin einen Ruhetag ein, daher können sich die Schachfreunde in Deutschland ganz auf die Meisterschaftsentscheidung in der Bundesliga konzentrieren.

Da die Bemühungen wie im Vorjahr eine zentrale Endrunde auszurichten scheiterten, kommen die Haller Schachdamen zu einer weiteren Heimrunde. Gespielt wird diesmal in den Stadtwerken, da im Optima-Sportpark die Winterpause zu Ende ist und Fußball gespielt wird.

Bevor es am Sonntag zum Showdown um die deutsche Meisterschaft kommt, müssen beide Favoriten am Samstag noch ihre „Pflichtaufgaben“ erfüllen. Für Schwäbisch Hall geht es gegen Karlsruhe, für Baden-Baden gegen Deizisau. Für beide Mannschaften geht es um nichts mehr – sie befinden sich im Tabellenmittelfeld und haben weder mit dem Abstieg noch mit den vorderen Plätzen zu tun. Gegen Karlsruhe kommt es zum Wiedersehen mit Annmarie Mütsch. Annmarie wechselte zum Ende der letzten Saison von Schwäbisch Hall nach Karlsruhe, da sie in Karlsruhe regelmäßig an einem vorderen Brett zum Einsatz kommt, was bei der Spielstärke der Haller Mannschaft noch nicht möglich war.

Zum Saisonhöhepunkt wird in den Stadtwerken die absolute Weltspitze im Frauenschach erwartet. Bei Baden-Baden und Schwäbisch Hall sind insgesamt sechs aktuelle Top-10-Spielerinnen im Kader. Das Titelbild zeigt die Schwäbisch Haller Mannschaft beim 3-3 im Vorjahr.

Hou Yifan neben Baden-Baden-Mäzen Wolfgang Grenke

Marija und Anna Muzychuk sowie Alexandra Kosteniuk

Baden-Baden ist hoher Favorit, stehen in dem Team doch gleich 5 der besten 10 Spielerinnen der Welt, darunter seit dieser Saison auch die mit Abstand stärkste Spielerin der Welt, die Chinesin Hou Yifan. Die Mannschaftsleitung der Haller Damen erwartet, dass Hou Yifan am kommenden Wochenende auch wirklich zum Einsatz kommt und ihr Debüt für Baden-Baden gibt, da sie eine Woche später bei den Grenke Chess Classics in Karlsruhe ebenfalls spielen wird. Dazu kommen die Muzychuk-Schwestern aus der Ukraine und Alexandra Kosteniuk aus Russland, alles ebenfalls Ex-Weltmeisterinnen. Letztere drei Spielerinnen kamen schon letzte Saison in Schwäbisch Hall zum Einsatz, als es ein hartumkämpftes 3-3 gab. Unwahrscheinlicher ist der Einsatz von Viktorija Cmilyte, die aktuell eher in der Politik unterwegs ist: sie ist Abgeordnete im litauischen Parlament.

Schwäbisch Hall hält dagegen mit mannschaftlicher Geschlossenheit, einige der Haller Spielerinnen waren gerade in den letzten Monaten sehr erfolgreich. Nino Batsiashvili, seit dem Open in Gibraltar im Januar designierte Trägerin des Männer-GM-Titels – diesen führen weltweit weniger als 30 Frauen – taucht erstmals als Weltranglisten-Neunte in den Top-10 auf. Deimante Cornette, letztes Jahr mit 9 Punkten aus 9 Partien eine der Meisterschaftsgarantinnen, gewann beim stark besetzten Open in Reykjavik den Damenpreis und holte sich auch für sie selbst überraschend ihre erste Norm für den Männer-GM-Titel.

Deimante Cornette sorgte letztes Jahr für den Ausgleich

Der Empfang nach der Meisterschaft 2017

Die Partien aus den Stadtwerken werden wie schon beim letzten Heimspiel wieder live ins Internet übertragen (zu erreichen hier auf dieser Seite und über www.chess24.com ). Natürlich hoffen die Verantwortlichen für das Damenteam auch auf viele Zuschauer insbesondere am Sonntag zum entscheidenden Spiel gegen Baden-Baden, auch wenn zusätzlich zu dem frühen Beginn um 9:00 noch die Umstellung von der Winter- auf die Sommerzeit kommt, die in der Nacht zum Sonntag eine weitere Stunde Schlaf kostet. Gleich im Anschluss an die Partie erfolgt die Übergabe des Meisterpokals, außerdem sind die Haller Spielerinnen und Verantwortlichen unabhängig vom Ausgang des Meisterschaftsrennens am Sonntagabend zum Empfang ins Rathaus eingeladen.

Die Tabelle und Ergebnisse der Frauenbundesliga gibt es hier, unten die Begegnungen der letzten beiden Runden im Überblick. Übrigens gibt es auch aus Hamburg eine Liveübertragung, hier die Links:

Link zur 10.Runde :
http://hsk1830.de/pages/uebertragung/fbl/2017_2018/Runde10/tfd.htm

Link zur 11.Runde :
http://hsk1830.de/pages/uebertragung/fbl/2017_2018/Runde11/tfd.htm

Sollten die Links nicht funktionieren, am besten direkt auf die Seite des HSK surfen.

10. Spieltag 24.03.2018 14:00

Spielort Erfurt
SV Medizin Erfurt – Rodewischer SM
SK Lehrte – SV Allianz Leipzig

Spielort Hamburg
Hamburger SK – SC Bad Königshofen
Doppelbauer Kiel – SV Hofheim

Spielort Schwäbisch Hall (Stadtwerke)
SK Schwäbisch Hall – Karlsruher SF
SF Deizisau – OSG Baden-Baden

11. Spieltag 25.03.2018 9:00

Spielort Erfurt
SV Allianz Leipzig – SV Medizin Erfurt
Rodewischer SM – SK Lehrte

Spielort Hamburg
SV Hofheim – Hamburger SK
SC Bad Königshofen – Doppelbauer Kiel

Spielort Schwäbisch Hall (Stadtwerke)
OSG Baden-Baden – SK Schwäbisch Hall
Karlsruher SF – SF Deizisau

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