Schacholympiade in Batumi: Erlebnisbericht erster Teil

Es gibt sie doch noch: deutsche Schlachtenbummler bei der diesjährigen Schacholympiade im georgischen Batumi, der absoluten Boomtown des Landes am Schwarzen Meer, was man schon an der beeindruckenden Architektur der Stadt sieht. Die Anreise ist für Reisende aus dem süddeutschen Raum einfacher als man erwartet: vom Memminger Flughafen fliegt zweimal pro Woche die ungarische Wizz-Air nach Kutaisi, und von dort erreicht man per Bustransfer in etwa 2 Stunden Batumi.Einziges Problem sind die unchristlichen Flugzeiten, der Flieger landet nachts um 2:00 in Georgien, Nachtflugverbot kennt man dort nicht. Damit war unsere Schwäbisch Hall – Stuttgarter Delegation aus 6 Personen, darunter die komplette Mannschaftsleitung des Schwäbisch Haller Damenbundesliga-Teams pünktlich zum Frühstück im Hotel.

Nach einem ersten Rundgang durch Batumi (siehe untenstehende Bildergalerie) ging es dann nachmittags zur Olympiade, und man war gespannt, wie ein schachverrücktes Land wie Georgien denn so eine Olympiade ausrichtet.

Per Taxi ging es in die Randbereiche der Stadt, in denen mehrere große Hallen neu errichtet worden waren (ich denke mal nicht nur für die Schacholympiade). Das Ambiente ist entsprechend schmucklos, und zunächst fielen die scharfen Sicherheitskontrollen auf. Man wollte unter allen Umständen die Verwendung irgendwelcher elektronischer Hilfsmittel vermeiden, und das geht bei etwa 300 Mannschaften halt nur, wenn man gerade Mobiltelefone gar nicht erst in die Halle lässt.

Ansonsten ist die Veranstaltung eher eine “geschlossene Gesellschaft”. An mögliche Zuschauer wird überhaupt nicht gedacht, umso seltsamer, da doch die Olympiade mit Plakaten in der Stadt sehr präsent ist. Wenn man nicht in Besitz eine Presseakkreditierung ist oder Spieler oder Offizieller ist, kommt man nicht in den Spielsaal, die Livekommentierung gibt es zwar, aber eben auch nur aus dem Studio ohne Zutritt für Zuschauer. Ich habe glücklicherweise eine Presseakkreditierung bekommen wie auch zwei weitere Mitreisende und hatte daher entsprechenden Zutritt und konnte natürlich auch fotografieren.

So, jetzt genug gemeckert, jetzt kommt der schachliche Teil. Für die große Anzahl von Spielern sind die Spielbedingungen, wenn man mal die Sicherheitskontrollen überwunden hat, prima: 2 große Hallen, alle Partien werden live übertragen, genug Bewegungsfreiheit, aber natürlich wegen der großen Anzahl der Spieler weite Wege zu Wasser, Kaffee und Tee, aber wozu hat man Mannschaftskapitäne: man sah den Captain der deutschen Damen Jonathan Carlstedt mehrmals im Rahmen der Getränkeversorgung hin und her laufen.

Während in Halle 1 das “Who-is-who” des Weltschachs unterwegs ist, findet in Halle 2 Breitensport in seiner Reinkultur statt: die Niederländischen Antillen spielten gegen Surinam, man sah Monaca, Barbados, die Seychellen und auch eine syrische Mannschaft.

Hier ein paar Fotoeindrücke aus dem Spielsaal:

Aus Schwäbisch Haller Sicht waren natürlich viele Spielerinnen des Damenteams im Einsatz, insbesondere spielt ja mit Nino Batsiashvili und Lela Javakhishvili die halbe georgische Nationalmannschaft für den deutschen Vizemeister.

Was gab es sportlich? im offenen Turnier gewann Polen sensationell gegen die USA, Piorun schlug Nakanura, das reichte, weil Duda gegen Caruana die Nerven behielt und mit Turm gegen Turm und Läufer remis machte. Deutschland wieder super: 2-2 gegen Frankreich, Nisipeanu gewann gegen Vachier-Lagrave, Christian Bauer glich gegen Rasmus Svane nach taktischem Zeitnothandgemenge aus, keine Ahnung, ob das alles korrekt war.

Bei den Frauen gewann Georgien mit Nino und Lela gegen die Mongolei, Russland gewann gegen Rumänien. Beim Abendessen mussten wir Irina Bulmaga (auch SK Schwäbisch Hall) etwas aufbauen, da für die Rumäninnen viel mehr drin gewesen war: Irina hatte Alexandra Kosteniuk nach der Eröffnung fast im Sack (die Eröffnungsvorbereitung hatte mal komplett gegriffen), machte es dann aber zu kompliziert und verlor am Ende doch. Und Rumäniens Brett 4 verlor ein Endspiel mit Mehrbauer noch.

Und die deutschen Frauen? Man “rumpelt” sich so durch: gegen Norwegen tütete Judith Fuchs nach langem Kampf ein 2,5-1,5 ein, Elisabeth Pähtz verlor an Brett 1 gegen die etwa 300 Elopunkte schlechtere Olga Dolzhikova und spielte die total verlorene Stellung noch mindestens eine Stunde länger als nötig weiter.

Abends dann noch eine Preisübergabe: ich überreichte der besten Spielerin der vergangenen Saison in der Frauenbundesliga, Lela Javakhishvili, ihren Preis, einen Foto-Druck der Dortmunder Künstlerin Christiane Köhne mit dem Titel “Geisterschach”.

Lela und ihr Preis, auf das Beschaffen eines Rahmens hatte ich für bessere Transportmöglichkeiten auch für die Preisträgerin diesmal verzichtet

Was gibt es in der 10. Runde? Die deutschen Männer müssen gegen Vietnam ran, die Frauen gegen Usbekistan. An der Spitze spielt Polen gegen China, da geht es jetzt um die Goldmedaille. Bei den Frauen sind die Spitzenspiele China-USA und Ukraine-Russland.

Ergebnisse gibt es hier.

Eindrücke aus Batumi vom Morgen

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